Antisemitismusprävention – ein Thema der frühen Kindheit?! Überlegungen für die pädagogische Praxis

Eberhard Karls Universität Tübingen
Alte Aula Münzgasse 22-30, Tübingen
Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Tübingen

  • 13. Mai 24
    18:15

Dr. Benjamin Rensch-Kruse, Goethe-Universität Frankfurt

Judenfeindliche Einstellungen sind in Deutschland weit verbreitet. Während auf der einen Seite gesellschaftlicher Konsens darüber zu bestehen scheint, dass Antisemitismen entschieden entgegengetreten werden muss, wird auf der anderen Seite regelmäßig über Anfeindungen gegen Jüdinnen und Juden berichtet.

Hier wird dann schnell der Ruf nach institutionellen Maßnahmen und pädagogischen Programmen laut, die judenfeindlichen Tendenzen in der Gesellschaft Einhalt gebieten sollen. Genannt und gefordert werden insbesondere die Bereiche Erziehung und Bildung, die als eine Art Brandmauer gegen das Übergreifen antisemitischer Sichtweisen betrachtet werden. Nicht zuletzt deshalb sind in den letzten Jahren verstärkt Schulen als Orte möglicher Antisemitismusprävention in den bildungspolitischen Fokus gerückt.

Dabei überrascht, dass der elementarpädagogische Bereich in dieser Hinsicht kaum eine Rolle spielt. Dies hängt auch damit zusammen, dass der frühkindliche Umgang mit Antisemitismus bisher noch nicht erforscht wurde. Es existiert nur wenig Wissen darüber, ob Antisemitismus in Kindertagesstätten überhaupt vorkommt und wenn ja, wie und inwiefern junge Kinder in ihrem alltäglichen Miteinander in Bildungseinrichtungen Antisemitismen aufgreifen und (re)produzieren.

Das an der Goethe-Universität Frankfurt angesiedelte Forschungsprojekt ‚Antisemitismus unter jungen Kindern. Differenzkonstruktionen im Vor- und Grundschulalter‘ geht dieser Frage nach und versucht, auf der Grundlage von Forschungserkenntnissen Perspektiven für die pädagogische Praxis aufzuzeigen. Der Vortrag gibt Einblicke in das genannte Forschungsprojekt und stellt Überlegungen zur Diskussion, wie Antisemitismusprävention in Kindertagesstätten umgesetzt werden kann.