DAYVid – Decoding Antisemitism in YouTube Videos
Projektbeschreibung
Während zu anderen sozialen Medien bereits Forschung vorliegt, fehlen für YouTube gesicherte Erkenntnisse über plattformspezifische Strategien, Kommunikationsformen und Narrative antisemitischer Akteur:innen. Das Verbundvorhaben schließt diese Lücke durch methodisch und inhaltlich fundierte Grundlagenforschung und verbindet sie mit zwei Transferformaten sowie breitenwirksamer Wissenschaftskommunikation. Methodisch entsteht ein innovativer, interdisziplinär entwickelter und multimethodisch abgesicherter Zugang, der sowohl multimodale Videoformate als auch die partizipative Logik der Plattform YouTube berücksichtigt. Inhaltlich analysiert das Projekt vier gesellschaftspolitisch besonders relevante Phänomenbereiche: (extrem) rechte, (extrem) linke und islamistische Inhalte sowie populäre Infotainment-Formate zu Antisemitismus und dem Nahostkonflikt – mit besonderem Fokus auf israelbezogenen Antisemitismus. Auf Grundlage der Ergebnisse und einer Bedarfsanalyse werden anschließend zwei Transferformate entwickelt, die Nutzer:innen über Bildungsmultiplikator:innen sowie Content Creator adressieren.
Projektleitung: Dr. Thomas Grotum
Ziel des Teilvorhabens DISPLAYt ist es, linke Diskurse über Antisemitismus und den Nahostkonflikt auf YouTube zu analysieren. Dabei werden populäre englisch- und deutschsprachige Inhalte und Formate systematisch verglichen, um milieuspezifische Kommunikationsmuster aufzudecken.
DISPLAYt untersucht im Verbundprojekt DAYVid die Kommunikationsformen, Narrative und Akteursstrategien antisemitischer Diskurse auf YouTube mit einem besonderen Fokus auf (extrem) linke Inhalte zu Antisemitismus und zum Nahostkonflikt. Das Teilprojekt entwickelt gemeinsam mit den Verbundpartnern einen interdisziplinären und multimethodischen Zugang zur Analyse von YouTube-Videos. Inhaltlich analysiert es populäre deutsch- und englischsprachige Formate qualitativ und vergleicht sie systematisch, um typische Narrative, Darstellungsweisen und argumentativen Muster herauszuarbeiten. Die Ergebnisse werden anschließend kontrastiv mit den Befunden der anderen Teilprojekte zu rechten, islamistischen und populären Infotainment-Formaten abgeglichen. Über die Grundlagenforschung hinaus entwickelt DISPLAYt gemeinsam mit Praxispartnern zwei Transferformate, die Bildungsmultiplikator:innen und Content Creator adressieren, und erprobt diese exemplarisch in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Berlin.
DACIVO – Decoding Antisemitism in Contemporary Infotainment and Islamist Videos Online
Projektleitung: Deidre Berger
Ziel des Teilvorhabens DACIVO ist es, erstens islamistische antisemitische Positionierungen in YouTube zu analysieren und diesbezüglich Inhalte und Formate zu vergleichen. Zweitens sollen die Themengebiete Israel und der Nahostkonflikt in deutsch- und englischsprachigen Infotainment- und Erklärvideos untersucht werden.
Auf Basis der generierten Forschungsergebnisse und einer parallel zur Methodenentwicklung durchgeführten Bedarfsanalyse werden anschließend zwei Transferformate entwickelt, die sowohl Nutzer:innen über Bildungsmultiplikator:innen als auch Content Creators adressieren.
DECORA – Decoding Online Right-Wing Antisemitism
Projektleitung: Dr. Matthias J. Becker
Das Teilprojekt DECORA analysiert antisemitische Kommunikationsstrategien in rechtsextremen und neurechten YouTube-Kontexten. Das Teilprojekt untersucht multimodale Inhalte, codierte Sprache und visuelle Narrative in deutsch- und englischsprachigen Videos und erweitert den Decoding Antisemitism-Ansatz auf Videoplattformen.
DECORA untersucht antisemitische Kommunikationsstrategien in rechtsextremen und neurechten YouTube-Kontexten. Im Fokus stehen englischsprachige Inhalte der Alt-Right sowie deutschsprachige Videos aus dem Umfeld der Neuen Rechten. Analysiert werden verbale, visuelle und multimodale Kommunikationsformen, darunter codierte Sprache, implizite Narrative und Formen israelbezogenen Antisemitismus.
DECORA verbindet qualitative Diskursanalyse, filmwissenschaftliche Multimodalitätsanalyse und explorative KI-gestützte Verfahren. Auf dieser Grundlage werden multimodale Korpora aus Videos, Kommentarsektionen und plattformspezifischen Interaktionen erstellt und vergleichend ausgewertet.
Das Teilprojekt baut auf dem Decoding Antisemitism-Ansatz auf, der ein internationales Korpus mit über 300.000 annotierten Online-Kommentaren umfasst. Ziel ist es, plattformspezifische Dynamiken antisemitischer Kommunikation auf YouTube zu identifizieren und zu analysieren sowie methodische Grundlagen für die Erforschung von Hasskommunikation auf Videoplattformen zu entwickeln.
- Dr. Thomas Grotum (Projektleitung, Universität Trier)
- Marc Seul (Universität Trier)
- Luca Zarbock (Universität Trier)
- Dr. Matthias J. Becker (Projektleitung, Weizenbaum-Institut)
- Marcus Scheiber (Weizenbaum-Institut)
- Deidre Berger (Projektleitung, Tikvah Institut)
Kontakt
Dr. Thomas Grotum
Universität Trier - Forschungs- und Dokumentationsstelle SEAL/Initiative Interdisziplinäre Antisemitismusforschung (IIA)
Marc Seul
Universität Trier
Dr. Matthias J. Becker
Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft e.V.
Deidre Berger
Tikvah Institut