RESPOND! NEIN zu Judenhass im Netz!
Entwicklung, Implementierung und Evaluierung eines Multiplikatorentrainings zur Bekämpfung antisemitischer Hassrede auf den sozialen Medien junger Menschen
Das Verbundprojekt verfolgte das Ziel der Entwicklung und Verbreitung einer Gegenstimme junger Menschen zur Bekämpfung antisemitischer Hassrede im deutschsprachigen Netz. Aufbauend auf Grundlagenforschung und anwendungsbezogener Forschung entwickelte RESPOND! Maßnahmen und Konzepte für die Bildungs- und Präventionsarbeit. Junge Menschen sollten in die Lage versetzt werden, Taktiken antisemitischer Hassrede in den sozialen Medien zu erkennen und medienkompetent auf sie zu antworten. RESPOND! verwendete dabei partizipative Forschungsmethoden und beziehte die Teilnehmer:innen in die Entwicklung des Medienkompetenztrainings ein.
Grundlagen des RESPOND!-Trainings:
Studie 1: Analyse der antisemitischen Rhetorik auf den von jungen Menschen genutzten Social-Media-Plattformen: Antisemitismus ist online in allen sozialen Medien weit verbreitet, häufig im Zusammenhang mit Israel (ca. 33% der antisemitischen Posts). Antisemitismus findet sich oft in den Kommentaren, häufig sehr subtil (ca. 65% der antisemitischen Posts).
Studie 2: Stärken und Schwächen junger Menschen, auf Antisemitismus medienkompetent zu reagieren: Junge Erwachsene haben Schwierigkeiten, insbesondere israelbezogenen Antisemitismus zu erkennen, und neigen dazu, Antisemitismus bei „Anderen“ zu verorten.
Scoping Review: Überprüfung bestehender Schulungen und ihrer Wirksamkeit (falls vorhanden): Es gibt viele Trainings, die oft nicht speziell auf Antisemitismus in sozialen Medien abzielen. Es gibt sehr wenig Forschung, die die Auswirkungen der Trainings untersucht.
Multiple Handlungsstrategien und die 5 R’s:
Retell: (Erzählen) ermutigt dazu, das im Training erworbene Wissen im eigenen Umfeld zu teilen und die RESPOND-Community zu nutzen, um kollektiv gegen Hass vorzugehen.
Recognize: (Erkennen) hilft, antisemitische Muster zu identifizieren.
Reflect & React: Fördert das Nachdenken über antisemitische Inhalte und etwaige Tendenzen zur Selbstdistanzierung; das Inkaufnehmen von Ambiguität.
Report: (Melden) leitet an, wie man Hassrede den Plattformen oder Behörden meldet.
Repost: (Teilen) bedeutet, aktiv positive und aufklärende Inhalte über das Judentum und gegen Antisemitismus zu verbreiten.
Multiplikation:
• Pilot Training: 9
• Universität Potsdam: 18, HSBI: 20, Touro Berlin: 15
• 62 Trainer:innen geben Wissen an je 10 Personen weiter
• Bis zu 600 „RESPONDER!er“
Studie 3: Forschungsdesign, Evaluation des Trainings: Wirksamkeit des RESPOND!-Trainings
Vergleiche zwischen der Kontroll- und der Trainingsgruppe zeigten signifikante Veränderungen in allen Zieldimensionen (Empathie, Wissen, Reflexion, antisemitische Einstellungen) außer einer (Ambiguitätstoleranz).
Die Teilnehmenden verfügten nach dem Training über mehr Wissen. Sie waren auch besser in der Lage, die Relevanz von Antisemitismus und das Eintreten dagegen für ihr persönliches Leben zu reflektieren.
Die Teilnehmenden zeigten mehr Empathie gegenüber denjenigen, die von antisemitischem Hass betroffen sind. Nach dem Training zeigten sie weniger antisemitische Einstellungen.
- Özen Odağ, Prof. Dr. (Touro University Berlin. A Campus of Touro University New York)
- Agata Kraj (Touro University Berlin. A Campus of Touro University New York)
- Larisa Buhin-Krenek, Prof. Ph.D. (Touro University Berlin. A Campus of Touro University New York)
- Birgit Wolf, Prof. Dr. (Touro University Berlin. A Campus of Touro University New York)
- Peter Klein, Prof. Dr. (Touro University Berlin. A Campus of Touro University New York)
- Linda Juang, Prof. Dr. (Universität Potsdam/FB Inklusionspädagogik)
- Jannis Niedick (Universität Potsdam/FB Inklusionspädagogik)
- Gudrun Dobslaw, Prof. Dr. (FH Bielefeld/FB Sozialwesen)
- Justine Kohl, M.A. (FH Bielefeld/FB Sozialwesen)
Publikationen
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RESPOND!: Agata M. Kraj, Özen Odağ, Ö., Larisa Buhin, Janis Niedick, Justine Kohl, Linda P. Juang, Gudrun Dobslaw: Scrolling against hate: Developing critical media competence to counter online antisemitism, in: InMind Magazine. https://www.in-mind.org/article/scrolling-against-hate-developing-critical-media-competence-to-counter-online-antisemitism 2025.
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RESPOND!: Özen Odağ, Jannis Niedick, Agata Kraj, Linda Juang, Justine Kohl, Larisa Buhin-Krenek: Antisemitismus in den sozialen Medien junger Menschen , in: Politikum 4/2024, S. 60-65 .
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Prof. Dr. Özen Odağ
Touro University Berlin. A Campus of Touro University New York
Prof. Ph.D. Larisa Buhin-Krenek
Touro University Berlin. A Campus of Touro University New York
Agata Maria Kraj
Touro University Berlin. A Campus of Touro University New York
Prof. Dr. phil. Gudrun Dobslaw
Fachhochschule Bielefeld
Prof. Dr. Linda Juang
Universität Potsdam