Der Kernbefund der Studie ist, dass die nicht-jüdischen Medien sich im Untersuchungszeitraum in der Regel auf faktische Nachrichten über jüdische Gemeinden und rituelle Praxis fokussierten, aber die ethische Dimension des Judentums, d.h. seine Wertgrundlagen nicht thematisierten, und daher praktisch unsichtbar ließen. Das rekonstruierte Diskursbild von Judentum vermittelt damit letztlich nur symbolische Sichtbarkeit, nicht selten ergänzt durch euphemistische, exotisierende oder paternalistische Effekte. Aus diskursanalytischer und diskurshistorischer Sicht entspricht nach Jobst Paul die so rekonstruierte Leerstelle dem Diskursraum, der in langer antisemitischer Tradition durch die ethische Diskreditierung des Judentums gefüllt war. Er kommt zu dem Fazit: Im Mediendiskurs der deutschen Alltagspresse ist diese Diskreditierung verstummt, doch wird die Leerstelle noch immer nicht durch Zuwendung und Aufgeschlossenheit gefüllt.
Die Studie verbindet eine quantitative Erschließung des zu untersuchenden Materials mit detaillierten qualitativen Feinanalysen. Ihr Korpus umfasst 392 zwischen Januar und März 2021 erhobene Medienvolltexte aus 121 unterschiedlichen Medien, darunter lokale, regionale und überregionale Presse, öffentlich-rechtliche und private Medien, jüdische und christliche Publikationen sowie Online- und institutionelle Angebote. Das gesamte Material wurde in 2.371 sinntragende Textfragmente aufgeteilt, induktiv verschlagwortet und in einem hierarchischen System mit 2.756 Kategorien und 8.696 codierten Treffern dokumentiert.
Infolge des Überfalls der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und des anschließenden Krieges wurde die Studie mithilfe des Ministeriums um eine Folgeanalyse ergänzt, die in Teil II des Berichtes präsentiert wird.
Der Forschungsbericht gliedert sich in fünf Bereiche, die auch die detaillierte Nachverfolgung ermöglicht.
Links zur Studie:
Paul, J. (2023). 'Judentum' in der deutschen Alltagspresse Diskursanalytische Folgerungen für die didaktische Praxis (2021-2023). Forschungsbericht: I. Grundlagen und Methodik. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.22192179
Paul, J. (2023). 'Judentum' in der deutschen Alltagspresse. Diskursanalytische Folgerungen für die didaktische Praxis (2021-2023). Forschungsbericht: II. Thematische Zusammenfassung der Feinanalysen. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.22193749
Paul, J. (2023). 'Judentum' in der deutschen Alltagspresse Diskursanalytische Folgerungen für die didaktische Praxis (2021-2023). Forschungsbericht: III. Feinanalysen im Detail. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.22199568
Paul, J. (2023). Judentum' in der deutschen Alltagspresse Diskursanalytische Folgerungen für die didaktische Praxis (2021-2023). Forschungsbericht: IV.1 Textarchiv: Sämtliche Volltexte. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.22200124
Paul, J. (2023). 'Judentum' in der deutschen Alltagspresse Diskursanalytische Folgerungen für die didaktische Praxis (2021-2023). Forschungsbericht: IV.2 Textarchiv: Zusammenstellung aller vergebenen tags [Dataset]. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.22200812