Kompetenznetzwerk NET OLAM tagte in Dessau

Im Rahmen des Verbundprojektes Net Olam - Jüdische Friedhöfe im Fokus von Antisemitismus und Prävention wurde das NET OLAM – Kompetenznetzwerk für den Schutz und die Erhaltung jüdischer Friedhöfe gegründet, das sich seit 2024 jährlich einmal in Präsenz trifft. Ziel ist das gegenseitige Empowerment und die Schaffung von Synergieeffekten aus den verschiedenen Expertisen.

Von Nicola Kramp-Seidel

Die diesjährige Präsenztagung unter der Überschrift „Bauwerke auf jüdischen Friedhöfen“ fand am 1. und 2. September 2026 in der Neuen Synagoge Dessau statt. Zusätzlich zu Beiträgen zum Tagungsthema und Berichten aus der Praxis war ein Panel den jüdischen Friedhöfen in Sachsen-Anhalt gewidmet. 

Am ersten Tag rahmten zwei Beiträge, die eine Übersicht über Friedhofsbauten in Deutschland und Österreich boten, Detailstudien zu Bauten einzelner Friedhöfe. So gab zunächst Ulrich Knufinke einen Überblick über Bauwerke auf Begräbnisplätzen in Deutschland ab dem 17. Jahrhundert und ordnete diese einerseits in den Kontext der wichtigsten Vorschriften zur Bestattung und andererseits in den historischen Kontext ein. Die zwei folgenden Vorträge von Martina Ullrich und Dagna Severin präsentierten auf der Grundlage intensiver Quellenforschung die historische Entwicklung der Friedhofsarchitektur der Friedhöfe in Görlitz und Lübeck. Beate Seibert hingegen blickte mit ihrem Vortrag in die Zukunft; so präsentierte sie die derzeitigen Planungen für den Neubau einer Friedhofshalle, der auf dem 2017 neu eröffneten Friedhof in Magdeburg-Ottersleben entstehen soll. Brigitte Mang rundete den thematischen Teil des ersten Tages mit einer Bestandsaufnahme der Friedhofsbauten in Österreich ab. Dabei stellte sie den Erhaltungszustand, die Nutzung und die vorgenommenen Sanierungen zahlreicher historischer Friedhofsgebäude vor. 

Am zweiten Tag standen die Berichte aus der Praxis auf dem Programm. Zunächst demonstrierte Nathanja Hüttenmeister am Beispiel des jüdischen Friedhofs von Bad Kissingen, wie sich trotz einer großen Zahl von verwitterungsbedingt anonymisierten Grabmalen viele Lücken der Dokumentation durch die Heranziehung aller verfügbaren Quellen schließen lassen. Im Anschluss stellte Dietrich Mau einerseits die Entstehungsgeschichte des jüdischen Friedhofs in Burg auf Fehmarn vor, andererseits die Chronik des unrühmlichen Umgangs mit diesem Friedhof durch die öffentliche Hand. Eberhard Kaus schloss diesen Themenblock mit einem Vortrag dazu ab, wie in Wunstorf seitens der Verwaltung in den Jahren nach 1945 mit den Überresten der ausgelöschten jüdischen Gemeinde umgegangen wurde. 

Das dritte Panel richtete den Blick auf die jüdischen Friedhöfe in Sachsen-Anhalt. Darin stellten Anett Gottschalk und Philipp Grundmann Vorgehen und erste Ergebnisse ihres Projekts vor, das alle 80 jüdischen Friedhöfe dieses Bundeslandes dokumentieren wird. Jana Müller veranschaulichte, wie mithilfe von Gemeindebüchern und staatlichen Personenstandsunterlagen stark verwitterte Grabsteine auf dem Friedhof in Dessau verstorbenen Personen zugeordnet werden können. Joachim Grossert resümierte die sukzessive Wiederherstellung des jüdischen Friedhofs in Bernburg an der Saale seit 1999, die auch die Wiederherstellung der Trauerhalle einschloss. Igor Pissetski vom Landesverband Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt sprach zunächst zu den dortigen Friedhöfen aus Sicht des Landesverbands, um dann zusammen mit Claudia Andrae die Planungen und die bereits erfolgten Arbeiten zur Gestaltung eines Gedenkorts für die zerstörte Aussegnungshalle auf dem jüdischen Friedhof in Aschersleben vorzustellen. 

Den Tagungsort, die 2023 neu eröffnete Synagoge, durften die Teilnehmer und Teilnehmerinnen mit Aaron Russ erkunden und über den jüdischen Friedhof in Dessau führte Dr. Bernd Ulbrich. Eine Exkursion am Folgetag gab Gelegenheit, Synagoge und Friedhof von Gröbzig zu besuchen, die bis in das 18. Jahrhundert zurückgehen. 

Die Tagung zeigte, wie vielschichtig die Beschäftigung mit jüdischen Friedhöfen sein kann und welche Erkenntnisse durch die Erforschung von Friedhofsbauten gewonnen werden können. Die Veranstaltung bot außerdem viel Raum für den Austausch der Netzwerkmitglieder untereinander. Wir danken dem Landesverband Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt, der Jüdischen Gemeinde zu Dessau und dem Museum Synagoge Gröbzig für die gastliche Aufnahme und freuen uns bereits auf das nächste Treffen! 

Mehr Informationen zum Netzwerk und de Aktivitäten finden Sie unter: Net Olam – Jüdische Friedhöfe im Fokus von Antisemitismus und Prävention

Veranstaltungsbild